Palästina

 

Obwohl Tschernobyl weiter strahlt  und Umsiedlung in Belarus weitergehen muss, sehen wir uns einer anderen “Wunde der Welt“ ausgesetzt: Krisenherd Naher Osten, dort der spezielle Brennpunkt Palästina, konkret zugespitzt:  die im Westjordanland lebenden Menschen.

Unstrittig ist, dass Israel als Besatzungsmacht nicht nur formal das Gebiet verwaltet, sondern entgegen dem Völkerrecht z.B. privates Land Stück für Stück den Menschen willkürlich nimmt, ihnen durch Wegnahme  und Mauerbau ihrer Felder die Lebensgrundlagen raubt  und  mit dem Bau von illegalen Siedlungen  die verbleibenden Gebiete einkesselt, letztlich eine Eigenständigkeit des Landes unmöglich macht .

Sicher: Wir hören beidseitig von Gewalt und Gegengewalt, aber  die Gewalt des Stärkeren wird ungleich gegen die Schwächeren genutzt.
Uns geht es um die Menschen, die ihrer Grundrechte beraubt und erniedrigt werden. Besonders bedrohlich sind  die immer näher rückenden illegalen Siedlungen mit ihren z.T. radikal-nationalistischen und religiösen  Besatzern, die mit  Übergriffen  Felder verwüsten, Olivenbäume ausreißen und die Einheimischen mit aggressiver Feindschaft und Waffen zu verdrängen suchen.
stein mit Aufschrift: wir weigern und Feinde zu seinDagegen setzt die  Palästinenser-Familie von  Daoud Nassar ihre  entwaffnende, christliche  Botschaft: „Wir weigern uns, Feinde zu sein“. Den seit Generationen im Besitz der Familie befindlichen – von  Beschlagnahme und Zerstörung  bedrohten – Weinberg  auf einer Anhöhe nahe Bethlehem öffnet Daoud  für Friedenseinsätze und internationale Begegnungen mit Kindern und Erwachsenen aus nah und fern.

Während die betroffene Bevölkerung  weitgehend hilflos leidend sich den Übergriffen ausgeliefert sieht und resigniert,  setzt die Initiative Daouds stellvertretend ein Zeichen des gewaltfreien Widerstandes und des öffentlichen Widerspruchs.
 
Als Heimstätte wissen wir uns diesem Anliegen verbunden und  möchten gegen das illegale Bauen der Siedler mit unserem Bauen die Palästinenser aufbauen.
Seit Langem schon plant Daoud Nassar  auf dem Weinberg  eine landwirtschaftliche ökologische Bildungsstätte, um der jungen Generation eine berufliche Perspektive und  eine Verpflichtung zu  ihrem Land zu erschließen. Dazu  haben wir bereits Baupläne angefertigt  und möchten mit dem traditionellen Kuppelbau möglichst viele Menschen an der Errichtung  beteiligen. Aber schon solche Planungen werden von der Besatzung als Provokation verstanden und würde  die Zerstörung aller bereits auf dem Weinberg  entstandenen Einrichtungen  zur Folge haben.

Dennoch wollen wir dranbleiben. Wenn also „Hochbau“ z.Zt. nicht erlaubt ist, gehen wir jetzt  in die Fläche, entdecken den  Boden, den Umgang mit der Erde, ihren Pflanzen und Tieren, möchten gemeinsam mit den  Betroffenen Zeichen der Schöpfungsbewahrung gegen das  Zerstören setzen.

Konkret planen wir jetzt einen Schul-Lehrgarten für palästinensische Kinder der Nachbarschaft , dass sie wieder Zugang zum verantwortlichen Umgang  mit ihrem Land  bekommen –  säen,  pflanzen, pflegen, ernten – statt  dass sie  „den Boden unter ihren Füßen“  verlieren.

Mit einer kleinen Gruppe von Handwerkern und Geländeplanern waren wir im März 2014 für acht Tage auf dem Weinberg, haben ein Gelände für einen Kreativ-Erlebnisgarten abgesteckt und als sichtbaren Auftakt aus  geschnittenen Natursteinen ein Eingangstor errichtet.


Für Oktober 2014 laden wir nun Freiwillige zu zwei kleinen Workcamps auf das Gelände ein, wo wir gemeinsam mit einheimischen Kräften zunächst den Erlebnisgarten fertigstellen. Im  März 2015 wollen wir den eigentlichen Schulgarten gestalten, Pflanzen setzen und mit ersten gemeinsam verantworteten Aktivitäten beginnen.

Dazu suchen wir einen Menschen, der im Rahmen eines Freiwilligendienstes sich in das Team der  auf dem Weinberg tätigen Volontäre einbindet, aber speziell dieses Garten-Projekt verantwortlich betreut, die Pflänzlinge begießt  und wachsen lässt. Vielleicht kann uns dabei auch ein Fachinstitut behilflich sein.
Innerhalb dieses Prozesses  möchten wir Lehrer der palästinensische Schule des benachbarten Dorfes  ermutigen, mit den Schülern den Schulgarten „in Besitz zu nehmen“ und ihn  kontinuierlich zu bearbeiten.
Soweit  der  Plan.
Diese Anfänge haben wir bisher durch Spenden und  ehrenamtlichen Einsatz ermöglicht. Mit den bisherigen Förderern  und Ihnen möchten wir  einen Partnerschaftskreis bilden:  Wer macht mit?
Vielleicht dass wir in nächster Zeit zu einem Informations- und Planungstag hierher in den Wiesenhof der Heimstätte (mit möglicher Übernachtung) einladen. Ergänzend besteht der Wunsch, im Laufe des Jahres 2015 eine Studienreise nach Palästina zu planen, um das Projekt, das  Westjordan-Land, deren Menschen aber auch solidarisch gesinnte Israelis  kennenzulernen, insgesamt also einen kleinen Beitrag als Zeichen der Versöhnung setzen.

Wir haben in diesem Jahr bereits 2 Reisen hinter uns:

Zunächst eine 11-tägige Studien- und Begegnungsreise mit 22  Teilnehmenden im März. Daoud Nassar hatte uns zu seinem Begegnungsprojekt  „Tent of Nations“ auf den Weinberg in der Nähe Bethlehems eingeladen. Außerdem sollten wir das Land Palästina mit seinen Menschen unter der israelischen Besatzung kennen lernen.

So haben wir zunächst von Bethlehem aus christliche Gruppen besucht und deren beispielhaftes Engagement aus der Minderheit heraus in der palästinensischen Umgebung erfahren. Wir haben  ihren verzweifelten Ruf nach Gerechtigkeit und Frieden (u.a. durch dass von allen dortigen Kirchen herausgegebene Kairos-Dokument) vernommen, hatten Kontakt mit muslimischen Gruppen u.a.  in einem Flüchtlingslager und der zerrissenen Stadt Hebron.

Zum persönlichen Abendessen in einer palästinensischen Familie hatte uns Faten Mukarker eingeladen und uns erzählt von ihrem Leben zwischen den Grenzen und Kulturen.

Unvergesslich  der Besuch bei  Sumaya Farhat Naser in der palästinensischen Universität Birseit, wie die Menschen trotz aller Ausweglosigkeit und Alltagschikanen die Hoffnung auf Frieden nicht aufgeben und bis dahin aktiven Widerstand leisten.

 

Bedrängend und ängstigend sind überall in den besetzten Gebieten die Checkpoints an den Straßen mit den  bewaffneten (zumeist ganz jungen) Soldaten und ihren Gewehren im Anschlag.

 

Wir haben das Heilige Land gleichsam von unten besucht, nicht so sehr die alten biblischen Steine, sondern die Menschen. Eine Reise, die in Palästina begann, um in einem zweiten Teil Israel in den Blick zu nehmen.

 

Vordergründig dieses  wunderbare, paradiesische Land Israel , das aus Wüsten fruchtbare  Gegenden  hat entstehen lassen. Im Alltag nimmt der Tourist jedoch die politischen Belastungen kaum wahr: Ein Land ohne Frieden, das ausschließlich durch Sicherheitsargumente  und militärischer Abwehrhaltung in einer politische Sackgasse feststeckt, -  ein  Friedenskonzept nicht im Blick hat.

  

Am Abfahrtstag dann noch in Neve Shalom das  Erleben einer beispielhaften Dorfgemeinschaft von Muslimen, Juden und Christen, - gesellschaftlich jedoch isoliert und von der Politik ins abseits gestellt.

 

Alles in allem eine Reise, die man nicht „zu den Akten legt“, die vielmehr auffordert, dran zu bleiben und „Flagge zu zeigen“, Argumente beider Seiten zur Kenntnis zu nehmen.

 

Daoud Nassar lädt ein, Ende Oktober wieder zum Weinberg zu kommen, um am alljährlichen „Fest“ bei der Olivenernte und dem weiteren Ausbau  des von uns begonnenen Erlebnisgartens mit zumachen.  Hat  jemand Lust?

 

Die 2. Palästina-Reise -

ebenfalls im März – ein Praxiseinsatz zum  Ausbau des Erlebnisgartens auf dem Weinberg. Jess Fuller, als Gelände-Architektin und ihr Mann, John Scholtes, als Bauleiter, haben mit 4 deutschen Bauleuten und mit 5 palästinensischen Jugendlichen 14 Tage auf dem Weinberg ein Vorhaben fortgesetzt, das vor 2 Jahren begonnen wurde: Ein „Educational- Gardencenter“ als  Schul- und Erlebnisgarten des Lernens und Spielens, einerseits für palästinensische Kinder der Umgebung, zugleich als Erlebnisplatz  für die internationalen Jugend- Begegnungen auf dem Weinberg.

Eigentlich hatten wir die Errichtung eines Gebäudes als Schulungszentrum geplant, aber die Besatzungsmacht erlaubt kein Bauen. So verfolgen wir diese Idee unter freiem Himmel.

 

Im Oktober/November soll daran weiter gebaut und gepflanzt werden. Verbinden möchten wir das mit einer kleinen 10-14tägigen Gruppenreise von Leuten, die entweder mitbauen oder (wie oben angedeutet) an der Olivenernte teilhaben möchten.

Wer macht mit?