Der Neu-Anfang Schweicheln

Das erste Projekt begannen wir 1994  im westfälischen Schweicheln. Als Bauhelfer haben wir uns bewusst Menschen ausgesucht, die auf dem normalen  Arbeitsmarkt keine Chance hatten. Langzeitarbeitslose, Leistungsgeminderte, die nicht mehr vermittelbar waren und z.T. erhebliche Probleme hatten. Darunter waren Menschen, die noch nie eine richtige Arbeitsstelle gehabt haben, weil sie obdachlos oder drogenabhängig waren. Mit diesem Test ging es uns auch darum, herauszufinden, ob sich unter den strikten Vorgaben des sozialen Wohnungsbaus ein Projekt mit hohen ökologischen Standards realisieren ließe. Es sollte ein Haus aus nachwachsenden Baustoffen (Holz und Lehm) mit Niedrigenergiestand, Regenwassernutzung und biotopreicher Außenanlagen werden – Standards, die sonst nicht üblich waren für den damaligen sozialen Wohnungsbau, aber zum Selbstverständnis der Heimstätte gehören.
Zur verbindlichen Baugruppe von acht Personen  unter der Leitung des Zimmerermeisters Hubert Heinrichs gehörten  ein Türke, ein Libanese, ein Obdachloser, der durch ausländerfeindliche Sprüche auffiel und vier weitere Jugendliche, die keine Berufsausbildung und z.T. noch nie eine regelmäßig Arbeitsstelle hatten – auch  eine Frau.
Sie mussten nicht nur viel Praktisches lernen, sondern auch lernen, eine Fünftage-Woche harter Arbeit durchzuhalten, pünktlich zu erscheinen, Anweisungen zu befolgen und mit Kollegen/innen auszukommen. Trotz anfänglicher Schwierigkeiten wuchs die Gruppe zusammen. Nach nur zwei Monaten konnten wir Richtfest feiern und schließlich nach einem Jahr der  AB-Maßnahme stolz das Ergebnis eines fertigen Hauses vorweisen. Für einige von ihnen hat dieses Jahr auch zu einer persönlichen Wendung geführt: Sie fanden eine Wohnung oder begannen eine Lehre. Das Errichten dieses Hauses bedeutete für sie alle eine innerliche Aufrichtung und persönliche Qualifizierung.


schweicheln

In den folgenden Jahren entstanden weitere Projekte dieser Art in Deutschland, u.a. die Translozzierung eines alten Fachwerkhauses zur Errichtung einer Altenbegegnungsstätte in Hiddenhausen, die umfassende Restaurierung einer denkmalgeschützten Zehntscheune zur einer Kulturwerkstatt, die Errichtung eines Doppelhauses für und mit Obdachlosen in Niedersachsen.
Möglich war das durch die  seinerzeit bestehenden AB-Förderprogramme, die Arbeitslosen   eine finanzielle Vergütung gewährte und zur Teilnahme berechtigte.