Roma-Bauförderung

 

Nach Berichten über das Tschernobyl-Umsiedlungsprogramm haben uns Journalisten auf die massiven Probleme von Roma-Familien in Süd-Ost-Europa verwiesen, konkret bekannt gemacht mit der  Roma-Organisation Phralipe, Budapest. Sie wiederum brachte uns  eher zufällig in das Dorf Felsödobsza (Gebiet Miskolc) im Nordosten, dem früheren Industrie-gebiet des Landes. Die Menschen in dieser Region leiden insgesamt unter der strukturell bedingten  Massen-Arbeitslosigkeit, besonders aber die dort seit langem sesshaft lebende Roma-Bevölkerung. Im Dorf mit seinen 1000 Einwohnern leben etwa 300 Roma. Sie bilden eine Randgruppe, werden diskriminiert und befinden sich in besonderer sozialer Not. Sie leben zwar in eigenen Häusern, deren baulicher Zustand aber unübersehbar die Armut der Bewohner widerspiegelt und vom Zusammenbruch bedroht ist
 Die vielen regionalen EU- Förderprogramme haben die Dörfer äußerlich aufgeputzt, haben aber die Lebensverhältnisse der Roma kaum verändert , so dass die soziale Schere zwischen ihnen und den meisten Nichtroma immer größer wird – mit der Folge, dass ihr Lebensstandard vor Ort weiter absinkt oder aber dass sie ihre Perspektive in den Städten, bzw. im reichen Westeuropa suchen.
Bei einem ersten Kontaktbesuch (Herbst 2012)  vor Ort wurde deutlich, dass ein mögliches Aktivierungs-Programm nicht  für Roma-Familien isoliert, sondern  für das Dorf insgesamt und von unten erfolgen muss.

In einer von uns eingeladenen öffentlichen Dorf-Versammlung 2013 stimmten die Bewohner grundsätzlich unseren Vorschlägen zu. Dennoch bedrängte man uns abschließend, ausnahmsweise noch vor dem Winter zwei vom Zusammenbruch bedrohte Roma-Häuser zu reparieren und winterfest  zu machen. Andernfalls würden die dort noch lebenden, kinderreichen Familien ihre Zukunft woanders suchen.  

Spontan haben sich unsere Handwerker zu einem Baueinsatz entschieden. Die betroffenen Roma-Familien und weitere Bewohner erklärten sich zur Mitarbeit bereit. In einer verbindlichen Arbeitsgruppe unter der Mitarbeit von 4 Roma-Betroffenen konnten noch im Herbst (13.-26.9.13) zwei Wohnhäuser durch neue Dachstühle und Dächer winterfest gemacht werden.

Dieser überschaubare und wirkungsvolle Einsatz hat die beteiligten Bewohner hat enorm motiviert und ihnen durch die handwerkliche Anleitung einen beruflichen Lernprozess eröffnet.  Die Nachbarschaft im Dorf wurde hellhörig und neugierig. Uns Deutsche hat die Gastfreundschaft und die Bereitschaft zur Mitarbeit überrascht. Für alle war es ein ungewöhnliches Dorf-Erlebnis.

Bei einer anschließenden vom Bürgermeister einberufenen Dorfversammlung wurde eine Kommission von Roma und Nichtroma-Bewohnern, sowie der politischen Gemeinde beschlossen, um eine Fortsetzung des Programmes auf eine möglichst transparente und partizipierende Ausrichtung zu erreichen. Grundsätzlich sollte Neubau vermieten werden, um einer Polarisierung im Dorf  entgegen zu wirken. Ziel:  Kleine, kontinuierlich erfolgende   Baueinsätze sollen mittelfristig zur Verbesserung der Wohn- und Lebensqualität beitragen, solidarisches Handeln ermöglichen – langfristig ein Verbleiben  der Roma im Dorf  erreichen (d.h. sie vor einer möglichen Emigration in den EU-Westen zu bewahren.)
Bei einem  Vorbereitungstreffen im Juni 2014 wurde entschieden, den 2. Baueinsatz  durch eine Modellmaßnahme  eine umfassendere Sanierung am Beispiel eines besonders baufälligen Hauses durchzuführen.

Die Bauausführung erfolgte in einem zweigeteilten  Baueinsatz vom 1.-19. September 2014

Kurzbeschreibung des Bauvorhabens: Um die bestehenden, eher baufälligen Außenwände wird ein neues Fundament geschaffen, darauf ein Holz-Ständerwerk errichtet und mit den Dachsparren verankert. Nach einer Wandverfüllung aus Lehm-Holzhäcksel-Gemisch wird eine Holz-Außenverschalung angebracht. Falls erforderlich: Dachstuhl-Erneuerung und Dachreparatur.


Diese Konzeption hat mehrere Vorteile:
•    An der Ausführung können in Handarbeit ungeübte Ausführende intensiv beteiligt werden.
•    Die Bewohner können während der Ausführung in ihrem Haus wohnen bleiben.
•    Insgesamt ergibt sich mit der Sanierung zusätzlich eine Wand-Isolierung zur Energieeinsparung.



Zweiter Baueinsatz – mit neuer Außenwand und Dachstuhl – alte Pfannen)


Auf deutscher Seite waren neben der Leitung ein  Maurer, ein Zimmermann, zwei Fachhelfer – auf Bewohnerseite 6 freiwillige Helfer als verpflichtende Baugruppe und Familien-angehörige beteiligt. Innerhalb dieses Zeitraums konnte  das Projekt  plangemäß durchge-führt werden. Es blieb Zeit für kleinere Reparaturen an anderen Häusern.  Einem besonders engagierten  Roma-Teilnehmer, der bereits beim ersten Baueinsatz beteiligt war, wurde  Baumaterial und Werkzeuge überlassen, um seine Haus-Reparatur eigenständig durchzu-führen.  Alle haben sich mit großem persönlichen Engagement an der Ausführung beteiligt. Insgesamt  hat dieser Baueinsatz alle – deutsche und ungarische – Beteiligte zu einem persönlichen Miteinander geführt, das mit einem Fest im Sanierungshaus abgeschlossen wurde.
Alle  haben auf die Fortsetzung des  Programms votiert. Der Bürgermeister  hat  seine persönliche und die kommunale Unterstützung ausdrücklich bestätigt..
Bei einer ersten Auswertung hat die Heimstätte mit ihren Beteiligten entschieden, nunmehr auf dieser Grundlage ein zunächst auf 5 Jahre befristetes Programm durchzuführen.

Zukünftiges Programm-Konzept

Aufgrund der Erfahrungen und der Ergebnisse der zweijährigen Erprobungsphase beschließt die Heimstätte Dünne gem.GmbH unter ihrer Trägerschaft das zunächst auf fünf Jahre angelegte

„Roma-Förderprogramm Felsödobsza/Ungarn“

– in enger Zusammenarbeit mit der Dorfbewohnerschaft, der örtlichen politischen Gemeinde und unter noch zu erreichender Beteiligung der örtlichen evangelisch-reformierten  und katholischen Kirche – .
Pro Jahr werden möglichst zwei, jeweils 14tägige  Baueinsätze geplant und durchgeführt, durch die nach vorausgehender gemeinsamer  Planung  sukzessive besonders gefährdete Häuser durch ihre gemeinsame Handarbeit saniert und damit ein dörflicher Strukturaufbau initiiert wird.
Dies geschieht in der Form von verbindlichen Arbeitseinsätzen mit wenigen (2-3) deutschen Fachanleitern und (pro Arbeitsgruppe) mit ca. sechs beteiligten Bewohnern, die sich auf ein Sanierungs-Projekt  konzentrieren. Konkret verpflichtet sich der jeweils betroffene Hausbewohner zur Mitarbeit. Er/Sie besorgt für die Baugruppe ca 5 weitere Bewohner (Familienangehörige, Nachbarn oder andere Dorfbewohner). Die deutschen Fachanleiter binden sich solidarisch in die Gruppe sein. Sie wohnen während des Einsatzes im Dorf.
Abgesehen von den jährlich festgelegten gemeinsam durchgeführten Sanierungsprojekten erhalten interessierte Beteiligte die Möglichkeit in Eigenarbeit und in den Phasen zwischen den Baueinsätzen Reparaturen an ihren Häusern vorzunehmen. Dafür wird ihnen leihweise Handwerksmaterial zur Verfügung gestellt.
Die Maßnahmen dienen auch dazu, in Einzelfällen besonders interessierte und begabte Bewohner  handwerklich zu fördern, um ihnen verbesserte Möglichkeiten bei der Berufsfindung zu bieten.
Für die Gestaltung während und zwischen der  Baueinsätze sorgt ein Koordinationsteam bestehend aus der  Geschäftsführung der Heimstätte Dünne, dem Bürgermeister, je einem Vertreter der Roma- und Nichtroma-Bürgerschaft. Für die deutsch-ungarische (u.a. sprachliche) Kommunikation und aktiver Mitarbeit  wird eine ungarische Person verpflichtet, die sich auch als Außervertretung der Heimstätte Dünne versteht.
Leistungen der Heimstätte Dünne:
•    Bereitstellung des Bauanleiterteams für die jeweiligen Baueinsätze (Kostenübernahme von Aufwandsentschädigungen, Reisekosten. Unterbringung und Verpflegung im Dorf durch Kostenbeteiligung der Kommune, bzw .Ortsinitiativen)
•    Bereitstellung des erforderlichen Handwerks-Materials (soweit es nicht von der Kommune  angeboten werden kann)
•    Finanzierung der Baumaterialien
•    Finanzierung der ungarischen Koordinationsperson
Im Unterschied zur Kommune, die u.a. für das kommunale Beschäftigungsprogramm verantwortlich bleibt, versteht die Heimstätte ihren Auftrag in der Aktivierung der Bewohner zur Sanierung ihrer Häuser.


Von ungarischer Seite wird folgende Unterstützung erwartet:
•    Beteiligung der Kommune an der gemeinsamen Planung und Projektausführung, u.a. durch Zurverfügungstellung von Handwerks- und Baumaterial.
•    Beteiligung bei Beantragungen von möglichen Zuschuss –und Förderprogrammen (u.a. EU). Öffentlichkeitsarbeit – u.a. mit dem Ziel der Gewinnung von Sponsoren
•    Unterbringung der deutschen Anleitergruppe im Dorf – einschl. Verpflegung
Der Beitrag der Bewohner konzentriert sich auf ehrenamtliche, aktive, verbindliche Mitarbeit  bei der Durchführung der Projekte und gemeindlicher Veranstaltungen zur Förderung eines aktiven  Gemeinwesens.
Kosten:
Nach den bisherigen Erfahrungen und aufgrund der vorgesehenen  Aufgaben kalkuliert die Heimstätte  pro Jahr mit folgenden Kosten:                                                                               

•    Baumaterial (pro Baueinsatz   6000,- bis 8000,- €)  ca 14.000,00
•    Beschaffung der erforderlichen  Handwerksmaterialien   2.000,00
•    Personalkosten der Fachanleiter( Aufwandentschädigungen, Reisekosten)   7.000,00
•    Planungsaufgaben, Koordinationsstelle, Dolmetscher   5.000,00
•    Sonstiges   1.000,00

 

Finanzierung:

 

 29.000,00

 

Die Heimstätte erhofft sich zur Finanzierung ein Spendenaufkommen in Höhe von ca      

 

 8.000,00 €

Der Rest in Höhe von ca

muss durch Zuschüsse erreicht werden.

 21.000,00€